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Apple TV – Der iPod für das Wohnzimmer

iPod und iTunes haben die Medienlandschaft der heutigen Zeit mobil gemacht: Ob unterwegs zu Fuß oder im Auto oder zu Hause am Schreibtisch – überall kann der moderne Mensch auf seine Musik, Filme und Fotos zugreifen. Einzig der klassische Platz dafür, die heimische Couch, war bislang eine Tabuzone. Das hat sich geändert. Seit Ende März ist die Set-Top-Box Apple TV erhältlich und verwandelt jeden HDready-Fernseher (samt einiger älterer Modelle) in eine iTunes-Tankstelle.

Apple TV von vornVom Wohnzimmer aus über den Fernseher in den eigenen iTunes-Medieninhalten stöbern zu können – diese Vision haben in der Vergangenheit bereits einige Macintosh-Nutzer mithilfe eines Mac mini realisiert. Doch während die Bedienung eines »großen« Apple-Computers ohne Maus und Tastatur nur schwerlich zu bewerkstelligen ist, wurde das Apple TV gerade für die Verwendung mit der nur sechs Knöpfe bietenden »Apple Remote« konzipiert. In der Art der Medienoberfläche »Front Row« führt die rund ein Kilo wiegende Box, einmal mit dem Fernsehgerät verbunden, komfortabel durch Filme, Musik und Bilder. Die mit dem iPod verwandte Menüstruktur erlaubt die Verwaltung tausender Dateien, die entweder auf der eingebauten Festplatte mit 40 oder 160 GB Kapazität gespeichert oder per drahtlosem wie auch drahtgebundenem Netzwerk auf den kleinen TV-Kasten live vom Computer gestreamt werden können.

Mit seiner Größe von 19,7 cm im Quadrat und 2,8 cm Höhe passt das Apple TV in nahezu jedes Wohnzimmer. Auch wenn es bislang noch keine Wandhalterungen gibt, können findige Bastler die Apple-Box hinter einem Flachbildfernseher positionieren – der verbaute Infrarot-Empfänger für die Fernbedienung funktioniert in den meisten Fällen selbst unter solch widrigen Umständen noch, wenn der Benutzer nicht allzu weit vom Fernseher entfernt sitzt. Neben der benannten Fernbedienung und Box ist in der Verpackung lediglich noch ein Stromkabel zu finden. Kabel für den TV-Anschluss müssen anderweitig gekauft werden, Apple bietet allerdings eine vielfältige und preiswerte Auswahl für um 20 Euro im eigenen Store an.

Anschließen ans TV-Gerät

Anschlüsse der Apple TV-BoxDie Verbindung zwischen Fernseher und Apple TV kann auf zwei Wegen erfolgen: Zum einen gelingt die Kopplung mithilfe eines HDMI-Kabels, für das alle aktuellen Fernseher mit »HDready«-Logo eine Steckbuchse bereithalten. Über einen HDMI/DVI-Adapter lassen sich selbst Computermonitore wie etwa Apples Cinema HD Displays verbinden. Zum anderen können auch ältere Fernseher per Komponentenvideoanschluss (YPbPr) angeschlossen werden, auch wenn kein HDMI-Stecker mehr frei oder vorhanden sein sollte. Allerdings sind besonders in Deutschland Komponentenanschlüsse wenig verbreitet. Zumeist verfügen nur TV-Geräte über derartige Eingänge, die auch NTSC als Fernsehnorm abspielen können.

Dabei ist besonders Acht darauf zu geben, die aus fünf Buchsen bestehenden Komponenten- nicht mit Composite-Anschlüssen zu verwechseln: Videokonverter von HamaLetztere sind häufig anzutreffen und beinhalten drei separate Buchsen – eine für Video (gelb) und zwei für Audio (weiß/schwarz und rot). Sie eignen sich allerdings, genauso wie SCART-Stecker, nur in Verbindung mit einem Adapter (beispielsweise von Hama für rund 70 Euro) zum Anschluss von Apples Medienbox. Wer diesen Weg geht, wird zwar auch auf jedem handelsüblichen PAL- oder NTSC-Röhrenfernseher iTunes-Inhalte genießen können, muss allerdings an 4:3-Geräten eine anamorphe Verzerrung des 16:9-Materials in Kauf nehmen.

GlühbirneDas Apple TV unterstützt verschiedene TV-Auflösungen: Neben 720p und 720i sind auch 1080i und 480i/480p (NTSC) nebst 576i/576p (PAL) dabei. Dem Anschluss an so ziemlich jeden handelsüblichen Fernseher steht also dank verschiedener Adapterlösungen nichts im Wege. Für gute Darstellung sollte allerdings ein 16:9-TV-Gerät möglichst neuer Bauart verwendet werden.

Inhalte im Wohnzimmer

Apple TV mit FlachbildschirmFür die Übertragung der Medieninhalte auf das Apple TV stehen Ethernet sowie WLAN zur Verfügung. Ein 10/100-MBit-Port auf der Rückseite der Box erlaubt die Einbindung in ein schon bestehendes drahtgebundenes Netzwerk. Mit dem Anschluss eines Netzwerkkabels bezieht die Box automatisch eine IP-Adresse vom im Netzwerk befindlichen Router oder DHCP-Server. Eine manuelle Konfiguration von Adresse, Subnetzmaske und Gateway bleibt ebenfalls möglich.

Ähnlich auch beim WLAN-Standard, der alle gängigen Protokolle von 802.11b über g bis hin zum brandneuen und noch nicht endgültig festgelegten 802.11n-Standard unterstützt. Auch Verschlüsselungen bis hin zu WPA2 sind kein Problem. Selbst über die derzeit gängiste Variante 802.11g mit 54 MBit/s gelingt die Übertragung von Filmen auf Apples Medienbox erstaunlich problemlos: Aussetzer sind, genauso wie Ruckeln, selbst bei hoher Netzwerkauslastung nahezu nie zu beobachten – lediglich das Vor- und Zurückspringen innerhalb von Filmen nimmt in diesen Fällen mehr Zeit in Anspruch als bei Nutzung des Nachfolgers 802.11n. Dieser ist in allen iMacs, MacBook und MacBook Pro mit Core 2 Duo Prozessor integriert (optional erhältlich für Mac Pro) und kann über ein Softwaretool aus dem AppleStore für knapp zwei Euro freigeschaltet werden.

RegenschirmEine direkte Verbindung zwischen Rechner und Apple TV ist allerdings nicht möglich: Die Anschaffung einer Basisstation wie etwa eines WLAN-Routers ist in jedem Fall für die drahtlose Nutzung notwendig.

Apple TV füttern

Apple TV unter iTunesEgal, wie viele Computer mit iTunes im lokalen Netzwerk vorhanden sind: Eine ständige Verbindung mit Synchronisierung von Inhalten kann lediglich mit einem einzigen Rechner erfolgen. Auf diese Weise können Filme, Musik und Bilder vom Computer auf die interne Festplatte des Apple TV transferiert werden, um dort – ganz analog zum iPod – auch verfügbar zu sein, wenn man keinen Zugriff auf den Rechner hat; etwa, weil dieser abgeschaltet ist. Bis zu fünf Apple TVs kann ein Mac auf diese Weise mit Medien füttern.

Alle anderen Computer im Netzwerk sind allerdings nicht außen vor: Auf sie kann vom Apple TV aus per Streaming zugegriffen werden. Auch ihre Filme und Musikstücke sind folglich jederzeit verfügbar – vorausgesetzt allerdings, die Rechner sind eingeschaltet. Denn im Gegensatz zum Hauptrechner können keine ihrer Medien auf der Apple-TV-Festplatte zwischengespeichert werden. Zwei weitere Begrenzungen gelten noch für per Streaming angesteuerte Computer: Zum einen können von ihnen keine Fotos abgerufen werden, zum anderen darf ihre Zahl fünf nicht überschreiten. Da jedoch bei Bedarf ein Rechner aus der Liste entfernt und ein anderer aufgenommen werden kann, wird letzteres in der Praxis selten zum Problem.

GlühbirneDie Verbindung zwischen Rechner und Apple TV gelingt nicht auf Knopfdruck: Um unerwünschten Zugriff zu vermeiden, muss beim Ansteuern einer bislang noch nicht mit dem Apple TV genutzten iTunes-Version ein »Passcode« am Computer eingegeben werden, den das Apple TV in großen Ziffern auf dem Bildschirm anzeigt. Um ein Apple TV mit einem neuen Computer zu koppeln, muss aus dem Apple-TV-Menü »Quellen« der Punkt »mit neuem iTunes verbinden« ausgewählt werden.

Synchronisationssteuerung

Apple TV als Bindeglied zwischen iTunes und FernseherVom Hauptrechner aus gelingt die Synchronisierung mit dem Apple TV über ein Interface, das demjenigen zum Ansteuern eines angeschlossenen iPod zum Verwechseln ähnlich sieht. Abschnitte wie »Filme« und »Musik« stehen wie beim iPod Video zur Verfügung und lassen sich exakt auf dieselbe Weise bedienen. Dabei kann frei gewählt werden, ob beispielsweise die »letzten 10 Folgen« einer in iTunes gespeicherten TV-Serie synchronisiert werden sollen oder nur die »letzten 3 ungesehenen Filme«.

Hierzulande liegt der Schwerpunkt momentan noch auf Musik, Fotos, (Video-)Podcasts und Musikvideos. Denn während im amerikanischen iTunes Store bereits Spielfilme und Fernsehserien als Kaufvideos erhältlich sind, stehen Kunden europäischer iTunes Stores derzeit noch vor verschlossenen Türen. Zwar hält sich hartnäckig das Gerücht, noch im ersten Halbjahr 2007 würden auch in Europa iTunes-Filme zu erwerben sein, doch hat sich bislang in diesem Zusammenhang noch keine Neuerung ergeben.

Eigene Videos übertragen

Nichtsdestotrotz müssen Kunden in Deutschland nicht gänzlich auf die Videofunktionen des Apple TV verzichten. Denn auch wenn die Werbeaussage Apples »Was in iTunes abspielbar ist, ist auch vom Apple TV abspielbar« mit Vorsicht zu genießen ist, werden von der Medienbox doch sämtliche MPEG-4-Videos im »Simple Profile«-Format nebst dem neuen De-Facto-Standard »H.264/AVC« unterstützt. Dies umfasst zwar einen großen Teil der im Internet etwa auf Podcastseiten erhältlichen Filme, doch finden sich mitunter Videos in der eigenen Sammlung, die nicht mit dem Apple TV kompatibel sind. In diesem Fall verweigert iTunes die Synchronisation des entsprechenden Materials mit einer entsprechenden Hinweismeldung.

Um eigene Filme fit für die Apple-Box zu machen, müssen sie also zunächst konvertiert werden. Dies gelingt am Einfachsten direkt in iTunes über den Menüpunkt ERWEITERT->AUSWAHL FÜR IPOD KONVERTIEREN..., denn jedes Video, dass auf dem iPod wiedergegeben werden kann, funktioniert auch mit Apple TV. Mit Version 7.2 hat Apple iTunes dafür sogar einen eigenen Menüpunkt spendiert: AUSWAHL FÜR Apple TV KONVERTIEREN... Die Konvertierung erfolgt dabei deutlich höherauflösend als für den iPod.

Aber auch andere Softwareprodukte erlauben die Umwandlung: So hat Elgato kürzlich seine EyeTV-Software verändert, so dass Fernsehaufzeichnungen nun nicht nur mit einem Mausklick für den iPod komprimiert, sondern genauso einfach auch in iTunes und von dort aus auf das Apple TV transferiert werden können. Andere Hersteller werden in Kürze folgen, eine genauere Übersicht über die Möglichkeiten zur Videokonvertierung ist im Übrigen auf dieser Webseite an anderer Stelle verfügbar.

Wiedergabemöglichkeiten erweitern

Wer auf die zeitaufwändige Konvertierung verzichten möchte, kann Apple TV auch mithilfe von Perian und Flip4Mac gratis erweitern, um fortan neben WMV auch nahezu jedes andere im Internet erhältliche Medienformat wie DivX abspielen zu können. Ein im AppleStore für 20 Euro erhältlicher Wiedergabecodec erlaubt zudem noch das Abspielen von reinem MPEG-2-Material. Allerdings gestaltet sich die Installation der Zusatzprogramme auf der Apple Box alles andere als leicht. Denn obwohl unter der Haube eine abgespeckte Version von Mac OS X 10.4 steckt, kann darauf nicht ohne Umbauarbeiten zugegriffen werden.

Apple TV VerkaufsboxDas Unterfangen gelingt über den Ausbau der Festplatte und die Transplantation in ein externes Gehäuse, auf das von einem anderen Mac aus zugegriffen werden kann. Dazu müssen die benannten Softwareprodukte zunächst auf dem eigenen Rechner installiert und dann von dort auf die »OSBoot« genannte Festplatte des Apple TV kopiert werden. Die Dateien mit den Änderungen .component befinden sich in den Ordnern /System/Library/QuickTime oder /Library/QuickTime und müssen an dieselbe Stelle auf dem Volume »OSBoot« verpflanzt werden, bevor die Festplatte wieder ins Apple TV verbaut wird. Doch damit nicht genug: Um die nun unterstützten Formate an iTunes vorbei auf das Apple TV schmuggeln zu können, ist noch viel Arbeit vonnöten.

GlühbirneWer zur Erweiterung des Apple TV die Festplatte bereits abgenabelt hat, kann bei der Gelegenheit auch gleich zusätzliche Software installieren: So etwa den AwkwardTV Loader, mithilfe dessen sich auch nach Rückverpflanzung der Festplatte noch Drittanbieter-Plug-Ins auf das Apple TV überspielen lassen. Ebenso erhältlich: Zusatzmodule für die Darstellung von Streaming-Video aus dem Internet oder ein RSS-Reader. Eine gute Auswahl an verschiedenen Erweiterungen halten die Webseiten AwkwardTV und AppleTVHacks (jeweils nur in englischer Sprache) bereit.

Sonstige Erweiterungen

Nicht nur Zusatzmodule sind bereits zahlreich für die Medienbox verfügbar: Auch wurde bereits eine komplette Installation von Mac OS X nebst Linux auf dem Apple TV zum Laufen gebracht. Zwar bestehen bei den aktuellen Bastellösungen immer noch zahlreiche Probleme – so etwa fehlende Videobeschleunigung und USB-Schwierigkeiten – aber nichtsdestotrotz entwickelt sich das ursprünglich geschlossene System immer mehr zu einer Plattform für unzählige findige Entwickler. So existieren bereits mit tausend US-Dollar dotierte Wettbewerbe unter anderem für diejenigen, denen es gelingt, externe USB-Festplatte als Speichererweiterung für Medieninhalte am Apple TV zu nutzen. Denn bislang dient der USB-Port auf der Rückseite Apple zufolge lediglich Wartungszwecken.

In Kenntnis einiger Tricks lässt sich jedoch von einer externen USB-Festplatte booten, um dann von dort aus weitere Veränderungen vorzunehmen: So unter anderem das Freischalten der SSH- und AFP-Dienste wie auch das Installieren selbstgeschaffener Plug-Ins. Ebenso möglich ist der Austausch der eingebauten Festplatte gegen ein mehr Speicherplatz fassendes Exemplar. Keine einfache Operation jedoch, die nur von Kundigen anhand dieser Anleitung vollzogen werden sollte.

GlühbirneMit einem 1-GHz-Pentium-M-Prozessor, 256 Megabyte RAM, einem 400-MHz-Frontside-Bus und einer NVidia Geforce Go 7300 als Grafikkarte verfügt die Medienbox über großzügig dimensionierte Leistungsreserven. Auch vor anspruchsvolleren Aufgaben muss also niemand zurückschrecken – die aktuell vorhandenen Plug-Ins haben die Leistungsgrenzen des Apple TV noch nicht ausgereizt.

Fazit

Der unkomplizierte Zugriff auf sämtliche iTunes-Inhalte von der Wohnzimmercouch aus ist eine erhebliche Verbesserung gegenüber der bisherigen Handhabung. Wo bislang iPod-Docks mit umständlicher Verkabelung oder teure Mac-mini-Bastellösungen standen, kann nun ein einfach zu handhabendes Apple TV eingesetzt werden. Apple TV in SchrägansichtAber während in den USA zahlreiche Filme und Serien zum Kauf im iTunes Store verfügbar sind, sieht es hierzulande noch mager aus. Wer nicht viel Zeit und Energie in die Konvertierung eigener Videos investieren oder mit Drittanbieter-Plug-Ins experimentieren möchte, wird bislang die Möglichkeiten der Apple-Box nicht ausreizen können. Denn solange weder ein eingebauter Fernsehempfänger noch ein DVD-Laufwerk zum Apple TV gehören, sind die Einsatzgebiete in Europa sehr begrenzt.

Noch dazu erweist sich die kleine Box als wahrhaft großer Stromfresser: Zwischen 15 und 20 Watt verschlingt das Gerät selbst im Stand-By-Modus und wird bei der Wiedergabe merklich heiß. Dass Apple dem Gerät keinen Ein-/Aus-Schalter für wenige Cent spendiert hat, schmerzt. Da ein Abschalten nicht vorgesehen ist, kann zwar der Strom mithilfe einer schaltbaren Steckerleiste getrennt werden; allerdings führt dieser Schritt unter Umständen langfristig zu Festplattenproblemen, weil dabei das Betriebssystem nicht ordnungsgemäß heruntergefahren wird. In Summe erweist sich das Gerät also als ein erster Schritt in Richtung wahrhaftiger »Digital Hub«. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Nicolai Kanieß, aktualisiert am 3. September 2007

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